„Herzensruhe“ im Kloster finden und geniessen
In den vergangenen Monaten hatte ich viel und intensiv gearbeitet. In der nächsten Zeit wartet eine weitere herausfordernde Arbeit auf mich. Ich spürte immer stärker: Wenn ich die kommende Aufgabe gesund und mit Freude angehen will, ist dringend eine Zeit der Ruhe angesagt ist. Wieso nicht im Kloster?
Ich wohnte in einem Zimmer im Gästetrakt. Zu den Essenszeiten traf ich mich im Speisezimmer mit Pater Raimund und freiwilligen Helfern des Klosters. Sehr aufmerksam und reichhaltig wurden wir von der Klosterküche verköstigt.
Die Schwestern luden mich herzlich zu ihren Gebetszeiten ein, betonten aber, dass jeder Gast vollkommen frei entscheidet, ob er daran teilnehmen möchte oder nicht.
Gerne besuchte ich jeweils am Morgen und am Abend eine Gebetszeit in der Kirche. Die gelegentliche, freiwillige Mithilfe im Garten bereitete mir ebenso viel Freude wie das Geniessen der Ruhe auf der Bank beim wunderschönen Gartensitzplatz. Zu Fuss und mit dem Velo, das ich ausleihen durfte, erkundete ich die freundliche Umgebung von Seedorf.
Der Rhythmus im Kloster während meinem fünftägigen Aufenthalt im Juni 2012 hat mir gut getan: Die persönlichen Zeiten der Ruhe, die Ausflüge, die geregelte Mahlzeiten und die Zeiten des Gebets haben mir wieder vor Augen geführt wie es ist, wenn man eines nach dem anderen erledigt. Das Buch „Herzensruhe“ von Anselm Grün aus Gästebibliothek begleitete mich während diesen Tagen und sagt im Titel aus, was ich langsam aber sicher wieder zu erahnen begann. Eine Woche nach der Heimkehr fühle ich noch immer eine angenehme Ruhe und Weite im Herzen. Meine Aufgabe ist es nun, achtsam mit dieser inneren Zufriedenheit umzugehen und sie in meinen Alltag zu integrieren.
Ich danke allen Schwestern ganz herzlich für ihre sehr freundliche, interessierte und wohlwollende Gastfreundschaft und wünsche Ihnen für die Zukunft von Herzen alles Liebe und Gute. Sehr gerne stelle ich mir vor, wieder einmal einige Tage im Kloster St. Lazarus in Seedorf verbringen zu dürfen.
Sara Weinberger
Nach dem Abschied von einem lieben Menschen und vom Beruf, sehnte ich mich nach einem Ort der Ruhe und Neubesinnung und zog mich zehn Tage im Juli 2010 ins Kloster Seedorf zurück.
Ich wurde hier herzlich empfangen und gleich vom ersten Tag an fühlte ich mich hier gut aufgehoben und geborgen. Mein Zimmerfenster gab den Blick frei auf den von Klostermauern umsäumten Hof mit der grossen Linde und dem Brunnen, dessen Plätschern mich in den Schlaf sang.
Nebst der wunderschönen Umgebung rund um den Urnersee, die ich wandernd auskundschaftete und genoss, bot der kleine Garten am Teich eine Oase zum Lesen, Sinnieren und Sein.
Wohltuend empfand ich es, ohne jede Verpflichtung zu den Chorgebeten und Eucharistiefeiern eingeladen zu sein.
Die anregende Tischgemeinschaft mit em. Abt Georg Holzherr und den Gästen half den ruhigen Tagen Struktur zu geben. Die vorzüglichen Mahlzeiten nahmen wir in den schönen Räumen des Klosters ein.
Die Schwestern erlebte ich als sehr offene, zufriedene und fröhliche Frauen, die den Schwierigkeiten des Lebens nicht ausweichen und zu echter Empathie fähig sind.
Danke für diese so wertvollen, erfüllten Tage!
Elisabeth H.
Auch ich habe mich auf den Weg (im Aug. 2010) ins Kloster gemacht. Mein Anliegen war es, viel, viel Ruhe und intensive Gebetszeiten zu erleben und den Stress hinter mir, zu Hause zu lassen. Auch ich hatte natürlich zunächst ein mulmiges Gefühl- war das nun wirklich richtig?
Kannst Du so einfach mal in ein Kloster gehen? Das macht man schließlich nicht alle Tage... Umso mehr freute ich mich, als ich überaus freundlich und offen an der Pforte empfangen wurde!
Schwester Martina strahlte mich nur so an und alle Bedenken waren fast wie weg. Die restlichen verschwanden dann nach den nächsten 5 min. nach einem sehr netten ersten Gespräch- viele andere durften noch folgen.
Nicht irgendwelche Normen und Pflichten erfüllen müssen, nein, man kann einfach mal so sein wie man ist. Und das tut unendlich gut.
Ich hatte das Glück, noch eine andere Schwester ein wenig näher kennenlernen zu dürfen. Diese beiden Begegnungen insbesondere, aber auch und vor allem die Gottesdienste mit em. Abt Georg und die netten, freundlichen Begegnungen im Haus mit den anderen Schwestern rundeten meine Zeit sehr wohltuend ab.
Vielen herzlichen Dank dafür! Man glaubt es kaum, aber ich hatte von den
7 Tagen, in denen ich dort war, 6 Tage schlechtes Wetter: Regen, Regen und Regen! Unternehmen konnte ich nicht viel, aber das Schöne war: noch nie habe ich einen Urlaub mit Regen so genossen, noch nie war mir das Wetter egal- mein Klosteraufenthalt wurde für mich zu einer echten „Auszeit", von der ich heute noch zehren darf!
Ich vermisse das Haus, die Schwestern, die gemeinsamen Gebete und Gottesdienste und ich möchte gerne bald wiederkommen. Sein Sie alle ganz lieb gegrüßt- Gott segne Sie!
Ilka Merle
„Was? Du gehst ins Kloster? Weshalb gerade in ein Kloster? Was machst du dort? Ist sie so gläubig? Ihr geht es bestimmt nicht gut bei ihrer Arbeit!"
So hat mein Umfeld gestaunt, dass ich mich plötzlich für Klosterferien entschied. Ja, statt meiner geplanten Burma-Reise meldete ich mich für Klosterferien an. Schon im Frühjahr sagte ich mir, wenn die Burma-Reise nicht klappt, dann schaue ich, was ich sonst noch im November anstellen könnte. Ich liess alles auf mich zukommen. Und es kam so wie es musste, die Reise konnte ich nicht antreten, es war nicht meine Zeit. Ich überlegte nicht lange, -November-Stille-Kloster-, setzte mich an den Computer und suchte nach einem Benediktinerinnen-Kloster. Ich spürte sofort, das Kloster St. Lazarus, in schönster Landschaft gebettet, das möchte ich kennen lernen. Nach der Email Anfrage und einem Telefonat mit Schwester Martina war klar, dass ich nach Seedorf reisen werde.
Die guten Ratschläge sowie die Bedenken meiner Kolleginnen und Kollegen machten mich zunehmend unsicher. Sie rieten mir warme Kleider mitzunehmen, da die Klostergänge und -zimmer im November kalt sind, meinten das Morgenessen bestehe sicher aus Porridge und sonst gebe es bestimmt nur Wintergemüse aus dem Klostergarten, sicher kein Fleisch zu essen. Sie schenkten mir Bettsocken und Schokolade, um die Zeit gut zu überstehen.
Ich bin weder Kirchgängerin noch katholisch. Seit 20 Jahren meditiere ich.
Am 8. November 2010 kurz vor Mittag stand ich an der Pforte und wurde herzlich empfangen. Das Mittagessen schmeckte wie im Hotel, ausgeschmückt mit Kapuzinerkresse aus dem Klostergarten. Meine Klostersuite mit Sicht auf den Urnersee war wohlig warm, es gab keine kalten Klostergänge, nichts fehlte. Ich merkte sofort, dass ich die Ketten der Gesellschaft, der Arbeit und meiner Rolle für die Zeit im Kloster ablegen konnte. Die Meditationen, die Eucharistiefeiern und die langen Spaziergänge in der Natur haben mir tiefe innere Berührung gebracht. Die Begegnungen mit der Äbtissin Veronika, den Schwestern und die Tischgespräche mit dem Abt Georg haben mich beeindruckt. Ich fühlte mich geborgen und gestützt von gutem Geist und Energien. Auch nach Wochen empfinde ich Nachhaltigkeit dieses Aufenthalts.
Meine schwierige Arbeit mit verhaltensauffälligen Jugendlichen wird davon positiv beeinflusst. Ich bin heute ausgeglichener, wenn ich mit ihnen rede und arbeite. Mit den Benediktinerinnen, die ein ganz anderes Leben führen wie ich, erlebe ich eine innere Solidarität. Aber die Grundsätze, nach denen sie leben, sind die gleichen wie meine eigenen. Diese Haltung schafft eine tiefe Bindung zueinander und gibt mir Halt und Stärke im Alltag. Ich lese heute oft im Buch von Abt Georg, 'die Benediktsregel', und versuche Brücken in meinen Arbeits- und Lebens-Alltag zu bauen.
Vielen Dank für die unvergessliche Zeit.
Ruth Cachot
„Fühlst du dich silvesterlich?" fragt mich eine mir in den letzten Tagen vertraut gewordene Kloster-mit-Gästin gegen 22.30 Uhr. Wir befinden uns - warm angezogen - an diesem 31. Dezember 2010 in der nur von Kerzen erleuchteten Klosterkirche zu St. Lazarus in Seedorf, Kt. Uri.
Silvesterlich? Ich spüre der Frage nach. Nein, silvesterlich fühle ich mich überhaupt nicht - aber irgendwie ganz besonders fühle ich mich.... Wie denn nur? Was ist es? Feierlich... ja. Festlich...ja. Aber da ist noch etwas, noch mehr... Wundersam geborgen, ruhig, aufgehoben, eingemittet fühle ich mich, so ganz bei mir... und gleichzeitig nehme ich die vielen anderen Menschen wahr, die ruhig und still in der kleinen Kirche Platz nehmen, die Bankreihen füllen...
Thema dieses Abends ist „das Rad". Was wird es mir sagen? Noch blättere ich nicht im Textheft, betrachte nur das Titelbild: Ein altes hölzernes eisenbeschlagenes Wagenrad lehnt gegen eine Steinmauer. Darunter die Fragen: WER BEWEGT DICH? WAS BEWEGT DICH?
Tja, so vieles hat sich in den letzten Wochen in meinem Leben bewegt, hat mich bewegt, zwingt mich in ungeahnte Bewegung, dass ich mich ganz kurzfristig für einen stillen Jahresabschluss im Kloster entschieden habe... damit sich einiges setzen, klären kann; ich zur Ruhe finden und dann meinen Weg zuversichtlich und gestärkt unter die Füsse nehmen kann...
Pünktlich um 23.15 h, nach dem Glockenschlag, setzt die Orgel mit einem Präludium von J.S. Bach ein. Ich lasse mich mitnehmen von der wunderbaren Musik. Da ertönt eine klare Stimme: „Es dreht und dreht, immer weiter, immer schneller, ohne Pause – Leben wie im Hamsterrad!" Und weiter: „Nichts ist, das dich bewegt, du selber bist das Rad, das aus sich selber läuft und keine Ruhe hat." Die altvertrauten Worte von Angelus Silesius... bereits in der Mittelschulzeit berührten sie mich sehr. Und hier, abseits des üblichen Silvestergeschehens, begegnen sie mir erneut...
Mit grossen Augen, offenen Ohren, freudigem Herzen und weiter Seele erlebe ich dieses wunderbar gestaltete, uns ins neue Jahr geleitende, begleitende Geschehen. Ruhig und klar wechseln sich kurze Texte, gemeinsam gesungene Lieder, Gebete und Orgelmusik ab. Wir alle gestalten mit brennenden Kerzen ein Rad, ziehen von der Nabe ausgehend die Speichen... sitzen schweigend, jede und jeder ganz bei sich, während das alte Jahr aus- und das neue Jahr eingeläutet wird...
Beim anschliessenden heissen Punsch im Klostersaal ist kein sich drehendes Hamsterrad auszumachen...
Vieles liesse sich noch erzählen aus meiner ersten Klosterauszeit! Es dünkt mich wie ein Blick durchs Kaleidoskop: Aus den wenigen farbigen Steinchen bilden sich durch achtsames Drehen immer neue, zum Teil überraschende Muster. Und nach diesen fünf kurzen Tagen habe ich noch lange nicht alle Kombinationsmöglichkeiten gesehen...
Von ganzem Herzen möchte ich „den farbigen Steinchen" im Kloster
St. Lazarus, den Menschen, die hier leben, arbeiten, wirken und sind, danken. Danken für ihre Offenheit, für die Bereitschaft, sich auf uns Menschen von „ausserhalb" einzulassen – uns einfach willkommen zu heissen und teilhaben zu lassen am Alltagsleben – so, wie wir eben gerade sind.
Verena Chiara Schmalz